Donnerstag, 27. Juli 2017

Elbebienen in den Elbauen

Wenn es nach Max Baumann, Natur-Imker aus Zörbig, geht, dann könnten in hohlen Bäumen auf den Elbwiesen bald Honigbienen leben. Das wären dann echte Elbauen-Bienen. In einem Vortrag erklärte er heute Vormittag seine Vorstellungen von artgerechter und wesensgemäßer Bienenhaltung.


Max Baumann besaß schon vor vielen Jahren Bienen, hatte dieses Hobby aber irgendwann aufgegeben. "Der Rückgang der Insekten, auch der Bienen, hat mich dazu bewogen, wieder mit dem Imkern anzufangen", sagte er. Gerade die Wildbienen sind davon betroffen, bei diesen gab es seit den 1980er Jahren einen Artenverlust von 50 Prozent und einen Masseverlust von 80 Prozent.

Baumanns Sicht auf die Bienen, von denen er oft als dem "Bien" als einem Lebewesen spricht, unterscheidet sich von dem, was man landläufig über die Bienen gelernt hat. Man weiß vielleicht noch, dass es eine Spezialisierung unter den Bienen eines Bienenstockes gibt und dass eine Biene allein nicht überlebensfähig ist. Aber bereits mit der Vorstellung vom Bienenstaat, der von der Königin regiert wird, räumt Baumann auf. "Das Bienenvolk ist eher ein Organismus als ein Staat", sagt er. Die Königin ist darin ebenso ein Körperteil wie die Arbeitsbiene. "Das Herz eines Menschen kann auch nicht allein leben", sagte er, "auch die Königin nicht". Und Max Baumann schwärmt für das Schwärmen der Bienen: "das ist die Geburt eines neuen Bienenvolkes". Und ebenso wie ein Organismus atmet auch das Bienenvolk. "Aus der Öffnung des Bienenstocks spürt man die 35 Grad warme Luft kommen".

Bald kommt Baumann auch auf den Ursprung der Bienen zurück, die von je her in hohlen Bäumen lebten, dort ihre Waben bauten. Für die Nutzung der Bienen wurden später durch den Menschen künstliche Hohlräume in die Bäume geschlagen. Aber auch da waren es immer noch stationäre Bienenstöcke. Auch in Deutschland wurde die Zeidlerei, diese alte Art der Bienenhaltung, noch lange Zeit, bis um 1850, betrieben. Bis heute erhalten geblieben ist sie in Baschkirien. Von diesem natürlichen Leben der Bienen her entspricht die heute betriebene Imkerei, vor allem nicht die Wanderimkerei, nicht dem Wesen der Bienen. Auch die jährliche Neuzucht von Völkern ist dem Wesen der Bienen fern. Deshalb bevorzugt Baumann eine möglichst natürliche Haltung der Bienen, eine "wesensgerechte", wie er es bezeichnet. Eindrucksvoll sind seine Fotos von Bienenvölkern, die nicht mehr auf vorgefertigten Wabenplatten bauen, sondern sich im Bienenstock so einrichten, wie sie selbst es für richtig halten, ohne exakt rechteckige Wabenrahmen im selben Abstand. Die dabei entstehenden Formen sind harmonisch gebogen - die einzelnen Waben aber: wie bei Bienen gewohnt: exakt sechseckig. "So gehaltene Bienen sind auch viel friedlicher als andere", sagt 

Bei einem Vortrag über Bienen dürfen auch die Gefahren für die Insekten im Allgemeinen und die Bienen im Speziellen nicht fehlen. Und das sind nicht nur die direkten Wirkungen von Insektiziden. Die Probleme sind viel komplerer Art - und erschreckenderweise zugleich einfach zu erklären. Ein Grund besteht in der Monokultur an Feldfrüchten in Verbindung mit Wiesen, die vor der Blühte gemäht werden
"Die Bienen verhungern einfach", sagte Baumann. "Noch schlimmer ist die Wirkung für andere Insekten", erklärte er, "Bienen haben einen Flugradius von 3 bis 5 Kilometer, andere Insekten nur wenige hundert Meter". Da helfen auch angelegte Blühstreifen nicht grundsätzlich, noch dazu da diese nach spätestens fünf Jahren wieder umgebrochen werden müssen. Dazu kommt noch die verheerende Wirkung diverser Herbizide wie zum Beispiel Glyphosat, mit denen die Äcker "totgespritzt" werden.

In seinem "Gut Kleinfolgenreich" betreibt Max Baumann Bienenzucht in seinem biologischen Sinn und gibt seine Kenntnissse auch an andere weiter. Neuestes Projekt ist "Immenhoch": dabei arbeitet er mit Schulen der Umgebung zusammen, die Bienenstöcke bekommen. Die Kinder lernen die Bienenzucht kennen und verlieren die Angst vor dem gestochen werden. Als Kompromiss zwischen Bienenstöcken in Bäumen und konventionellen Bienenkästen hat er sich etwas neues ausgedacht: die Kästen werden in mehreren Metern Höhe auf ein Baugerüst gestellt. "Ein Baugerüst ist zwar sicher nicht die schönste Lösung, aber man hat keine Probleme mit dem Nachweis statischer Anforderungen", sagte er. Für die Kinder ist der Blick von dort oben ganz sicher ein Erlebnis.

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