Sonntag, 24. Juli 2016

Eröffnung des 24. Elbe-Saale-Camp

Vor der offiziellen Camp-Eröffnung gab es (wie in den Jahren zuvor) einen Elbauenspaziergang. Diesmal zum Thema Libellen. Dazu hatte Paul Dörfler die Libellenforscherin Mandy Sylvester ins Elbe-Saale-Camp eingeladen. Im Hauptberuf Biologisch-Technische Assistentin im Bereich Wasserwirtschaft an der Hochschule Magdeburg-Stendal, hat sie sich in ihrer Freizeit den Libellen verschrieben und ist Mitglied in der Gesellschaft deutscher Odonatologen (benannt nach dem lateinischen Namen der Libellen, Odonata).

Paul Dörfler und Mandy Sylvester

Vor dem Gang zur Elbe gab es sehr interessante Einblicke in Leben, Ernährung und Fortpflanzung der Libellen, von denen es in Deutschland 81 einheimische Arten gibt. Mandy Sylvester hatte einiges an Anschauungsmaterial mitgebracht. Darunter auch Exuvien. Das sind, wie zu erfahren war, die Reste, die bei der Häutung  der Libellen zurückbleiben.
Am Elbufer wurde nach Libellen Ausschau gehalten. Allerdings gab es nicht grad die große Vielfalt zu sehen: nur zwei Prachtlibellen, die je nach Sonnenstand dunkelblau bis schwarz aussehen, und ein Blaupfeil zeigten sich. Es war heute anscheinend ganz einfach zu heiß für die Insekten, die sonst zahlreich am Ufer von Gewässern zu finden sind.
 
Schaukasten mit Libellen-Exuvien
Exuvien von Libellen (die bei der Häutung
zurückgelassenen Reste) gab es auch, so wie
sie in der Natur vorkommen, zum Anfassen.
Spaziergang zum Elbufer

Zur offiziellen Camp-Eröffnung stellte Jutta Röseler das Programm vor. "Diesmal wird es anstrengend", sagte sie, und meinte damit die vier Radtouren, die in der einen Camp-Woche eingeplant sind. Daneben gibt es aber auch einen Tag auf dem Wasser, mit Schlauchboot und Kanu. Die müden Beine und Arme können sich dann abends ausruhen, wenn es Vorträge oder das Camp-Kino gibt.

Am ersten Camp-Tag gab es auch einen Anflug von dem, was sonst bei den politischen Diskussionsrunden des Camp stattfindet: der fachlich fundierten Information und dem Austausch mit Politikern aus dem Land. Diesmal war Sebastian Striegel aus der Landtagsfunktion der Grünen ins Camp gekommen. Er versprach, daß die grüne Landtagsfraktion die Zukunft der Elbe und Saale mitgestalten will. Dabei möchten sie mithelfen, die wichtige Rolle eines guten Zustandes in die parlamentarische Arbeit einzubringen. "Auch einen Thomas Webel kann man mit Argumenten überzeugen", ist er sich sicher.

MdL Sebastian Striegel und Jutta Röseler

Paul Dörfler ist da (aus langer Erfahrung) etwas skeptisch. Wenn er Fakten zu Wirtschaftlichkeitsstudien vorstellt (aus denen sich beispielsweise für den Saalekanal Kosten ermittelt werden, die den möglichen Nutzen um das fünffache übersteigend) und seine Erkenntnis darlegt, warum das Land so vehement am unsinnigen Saalekanal festhält, erklärt er auch, warum: "Thomas Webel will unbedingt den Kanal", sagt er, "und er kann ihn im Land auch fordern, weil der Kanal zu 100 Prozent aus Bundesmitteln bezahlt wird. Und der Bund macht das Spiel mit, weil man keinen Streit mit dem Land Sachsen-Anhalt haben möchte". Da wird die intakte Natur zum Spielall der politischen Interessen.

Ganz in seinem Element, dem logischen Verknüpfen von Fakten, ist Paul Dörfler, wenn er gemeinsam mit Iris Brunar Ergebnisse von aktuellen Studien vorstellt und diese kritisch hinterfragt. So sollen angeblich im Bereich der mittleren und oberen Elbe 16.000 Arbeitsplätze von der Schifffahrt auf der Elbe abhängen. Angesichts dessen, dass die real existierende Schifffahrt kaum noch vorhandenen ist, reibt man sich doch verwundert die Augen. Die Studie krankt an mehreren Punkten. Die Studie wertete an Firmen verschickte Fragebögen aus, und nur die von den Firmen, die geantwortet haben. Und es reichte auch aus, wenn 30 Prozent der Güter auf dem Wasser transportiert werden, um die Arbeitsplätze für zu 100 Prozent von den Wasserstraßen im Elberaum abhängig zu erklären. Zudem werde nicht ausgewertet, ob der Schiffstransport überhaupt auf der Elbe stattfinde (in Wirklichkeit sind es meist die Kanäle). 

Eine andere Studie betrifft den wirtschaftlichen Nutzen des Gütertransports. Demnach wird in den Häfen der mittleren und oberen Elbe mit dem Umschlag von Gütern ein Wert von etwa 20 Millionen Euro erzielt. Das klingt viel – würden nicht zwei Tatsachen verschwiegen werden: zum einen werden nur etwa 10 Prozent davon (also 2 Millionen) mit dem Umschlag vom/auf das Schiff erreicht und zum anderen erreicht allein der Radtourismus an der Elbe enen Umsatz von etwa 128 Millionen Euro im Jahr. "Und die Touristen kommen nur, wenn die Natur an der Elbe so natürlich wie jetzt bleibt", erklärt Dörfler, und leitet schon auf das nächste Thema über, das den Auen ebenso wie der Landwirtschaft fehlende Wasser infolge der sich immer weiter eintiefenden Elbe. 

So ernst diese Themen auch sind – die lebendige Vortragsweise Dörflers hatte schon ein wenig was vom Lars Johannsens Kabarett (der aber erst zum Abschluß des Elbe-Saale-Camp auf dem Programm steht). 

Paul Dörfler bei seinem Vortrag über
Gütertransport-Umsätze und
Umsätze im Tourismus an der Elbe

Ausstellung von Büchern und
Geschichten rund um die Elbe
Der Nachmittag und Abend gehörte dann der Musik von "Hin und Her" aus Barby. Joachim Knopf (Gitarre, Gesang) und Rüdiger Krenzlin (Piano, Mundharmonika, Gesang) spielten Blues von Diestelmann und Hansi Biebl, gefühlvoll-melacncholische Balladen von Gundermann und eigene Lieder. Beim Publikum kam das gut an, ohne Zugabe durften die beiden nicht gehen. Ihre eigenen Lieder paßten gut zu ihren musikalischen Vorbildern, vor allem hatten sie auch durchaus politische und kritische Texte. So etwa, wenn es in "Überwacht" um den Überwachungsstaat geht, in "Engel" auch der Umweltschutz mitklingt ("Engel fallen vom Firmament, mit verätzten Lungen" heißt es da)  oder sie sich in "sie sind wieder da" mit rechter Politik auseinandersetzen. Dieses schöne und anhörbare Musikprogramm beendete den ersten Camp-Tag.

Joachim Knopf und Rüdiger Krenzlin
Das Publikum saß nur zum Teil im sonnenbeschienen
Veranstaltungszelt. Andere hatten sich auf schattige
und kühlere Plätze zurückgezogen.
Abendessen vom Grill

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