Dienstag, 28. Juli 2026

Botanik erkunden und zeichnen

Leonie Bronkalla lud heute zum Workshop Botanik erkunden und zeichnen ein. Zwei Stunden in denen eigentlich das genaue Hinschauen im Mittelpunkt stand.

Einleitend berichtetet die Landschaftsökologin über die Geschichte der bildlichen Darstellung von Pflanzen. Die ältesten Beispiele waren 800 Jahre alte Illustrationen. Waren es im Mittelalter eher illustrative Darstellungen, so bekamen die Zeichnungen von Pflanzen später wissenschaftlichen Charakter. "Es ging anfangs um die Heilpflanzenkunde", erklärte sie, " später nahmen Entdeckungsreisende wie Alexander von Humboldt Zeichner mit auf ihre Reisen". Und gute Pflanzenbücher haben auch heute noch Zeichnungen statt Fotos. "In Zeichnungen kann man charakteristische Merkmale viel besser und allgemeiner darstellen als in Fotos". 

Als Beispiele und spätere Zeichenobjekte hatte Leonie Bronkalla einige Pflanzen mitgebracht, darunter einige Gräser gleich von der Camp-Wiese, Labkraut, Disteln. Eine bunte Mischung von Pflanzen lag auf dem Tisch. Pflanzenkunde gab es gleich inklusive. "Jede Pflanze hat einen botanischen Vor- und Nachnamen", sagte sie. "Wenn Ihr gut seid, kennt Ihr beide: nicht einfach Flockenblume, sondern Wiesenflockenblume". Oder auch auf lateinisch: "Das Gänseblümchen heißt bellis perennis".


Zum Zeichnen gab es für jede Teilnehmer*in einen kleinen Skizzenblock und einen Bleistift. Mehr brauchte es nicht. Und für Zeichenneulinge gab es erst mal ein paar Trockenübungen: Schraffiert ein Rechteck, Füllt es mit Grautönen mit der flach gelegten Bleistiftspitze. Lasst Euch von Eurer Nachbar*in Euren Namen in der schönsten Schrift in Euer Heft schreiben. Schreibt Euren Namen selbst darunter - aber mit der Hand, mit der ihr sonst nicht schreibt. Schaut Eure Nachbar*in an und skizziert sie dabei in einer Minute - aber ohne auf das Blatt zu schauen. Und nun schaut in die Natur und zeichnet Euch selbst - wieder ohne auf das Blatt zu schauen.

Wie Leonie später sagte, diente alles das vor allem dem Zweck, die Angst vor dem Blatt und dem Stift zu nehmen. "Ihr könnt zeichnen", sagte sie, "schreibt das unter Eure Zeichnungen". Und irgendwie wirkten diese auf den ersten Blick unsinnig scheinenden Vorbereitungen tatsächlich, es wurde immer unwichtiger, ob man tatsächlich zeichnen konnte. 

Letztlich ging es ohnehin eher um das aufmerksame Beobachten als um das Zeichnen an sich. Das fing schon beim (scheinbar!) einfachsten Objekt an. "Zeichnet einen Grashalm" war die erste Aufgabe, "einfach so, wie ihn Ihr ihn Euch vorstellt". Ein paar Striche auf dem Blatt, gerade, gebogen. Und die Erkenntnis, dass Gras eigentlich anders aussieht: Blatthülsen, die zunächst um den Halm wachsen und dann an kleinen Verdickungen ("Öhrchen") seitlich als Blatt wachsen, Blätter die um 180 Grad oder auch um andere Winkel versetzt zueinander wachsen, unterschiedlich gefurcht sind und unterschiedliche Ränder haben. Von der Farbe mal ganz abgesehen.

Andere Zeichenobjekte waren das Labkraut mit seinen winzigen Blüten und die wilde Möhre mit großen Dolden, die Blüten aber ebenfalls winzig. Und Flockenblume und Weg-Distel, beide hellbau blühend mit auf flüchtigem Blick gleich aussehenden Korbblüten, Auf einen genauen Blick dann schon gar nicht mehr gleich. Unterschiedliche Blütenblätter, gefiedert die einen, glatt die anderen. 

Man merkt schon: der genaue Blick ist entscheidend. Und wahrscheinlich war es auch das, was von dem Vortrag noch lange nachwirkt: man betrachtet Pflanzen genauer, schaut auf Details, erkennt Unterschiede, nimmt Einzelheiten genauer wahr. Und das auch noch nach zwei Tagen (der Beitrag wurde erst etwas später geschrieben). Das Zeichnen erfordert dann doch noch etwas mehr Übung als man in zwei Stunden erlangen kann. Aber das Betrachten lenen geht schnell. 

Die gemeinsame Arbeit, vor allem das Vergleichen der Ergebnisse, machte echt Spaß. Und manch eine*r wünschte sich eine Verlängerung. Aber die Blöcke gab's zum mitnehmen, und darin blieben noch viele freie Seiten. 

Leonie Bronkalla hat einen Master in Landschaftsökologie mit dem Schwerpunkt Klimatologie. Parallel zum Masterstudium hat sie das Politikmanagement-Zertifikat der Heinrich-Böll-Stiftung erworben. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Internationaler Klimaschutz am Umwelt-Bundesamt (UBA). Sie ist Kreisvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen Dessau-Roßlau und aktuell Kandidatin zur Landtagswahl.

Zwei Korbblüter im Vergleich: die Flockenblume und die
Wegdistel. Beide mit auf den ersten Blick ähnlichen Blüten
(auf den zweiten dann nicht mehr) und beide mit
derselben Blütenfarbe.
 

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