Leonie Bronkalla lud heute zum Workshop Botanik erkunden und zeichnen ein. Zwei Stunden in denen eigentlich das genaue Hinschauen im Mittelpunkt stand.
Einleitend berichtetet die Landschaftsökologin über die Geschichte der bildlichen Darstellung von Pflanzen. Die ältesten Beispiele waren 800 Jahre alte Illustrationen. Waren es im Mittelalter eher illustrative Darstellungen, so bekamen die Zeichnungen von Pflanzen später wissenschaftlichen Charakter. "Es ging anfangs um die Heilpflanzenkunde", erklärte sie, " später nahmen Entdeckungsreisende wie Alexander von Humboldt Zeichner mit auf ihre Reisen". Und gute Pflanzenbücher haben auch heute noch Zeichnungen statt Fotos. "In Zeichnungen kann man charakteristische Merkmale viel besser und allgemeiner darstellen als in Fotos".
Als Beispiele und spätere Zeichenobjekte hatte Leonie Bronkalla einige Pflanzen mitgebracht, darunter einige Gräser gleich von der Camp-Wiese, Labkraut, Disteln. Eine bunte Mischung von Pflanzen lag auf dem Tisch. Pflanzenkunde gab es gleich inklusive. "Jede Pflanze hat einen botanischen Vor- und Nachnamen", sagte sie. "Wenn Ihr gut seid, kennt Ihr beide: nicht einfach Flockenblume, sondern Wiesenflockenblume". Oder auch auf lateinisch: "Das Gänseblümchen heißt bellis perennis".
Zum Zeichnen gab es für jede Teilnehmer*in einen kleinen Skizzenblock und einen Bleistift. Mehr brauchte es nicht. Und für Zeichenneulinge gab es erst mal ein paar Trockenübungen: Schraffiert ein Rechteck, Füllt es mit Grautönen mit der flach gelegten Bleistiftspitze. Lasst Euch von Eurer Nachbar*in Euren Namen in der schönsten Schrift in Euer Heft schreiben. Schreibt Euren Namen selbst darunter - aber mit der Hand, mit der ihr sonst nicht schreibt. Schaut Eure Nachbar*in an und skizziert sie dabei in einer Minute - aber ohne auf das Blatt zu schauen. Und nun schaut in die Natur und zeichnet Euch selbst - wieder ohne auf das Blatt zu schauen.
Wie Leonie später sagte, diente alles das vor allem dem Zweck, die Angst vor dem Blatt und dem Stift zu nehmen. "Ihr könnt zeichnen", sagte sie, "schreibt das unter Eure Zeichnungen". Und irgendwie wirkten diese auf den ersten Blick unsinnig scheinenden Vorbereitungen tatsächlich, es wurde immer unwichtiger, ob man tatsächlich zeichnen konnte.