Dienstag, 5. August 2014

Petburg zu Gast im Elbe-Saale-Camp

Bereits vor einer Woche berichtete die Volksstimme über die Tour der fünf Studenten aus dem tschechischen Nymburk, die mit ihrem aus Plastikflaschen gebautem Boot auf der Elbe bis nach Hamburg fahren wollten, um im dortigen Moldauhafen eine Linde zu pflanzen – als tschechisches Nationalsymbol und Zeichen für den Umweltschutz. Kurz vor der Grenze wurden sie jedoch von der deutschen Bürokratie gestoppt, die von ihnen einen Motor und einen Bootsführerschein verlangte. Nach ein paar Tagen gaben sie den Kampf mit den Behörden auf und stiegen auf Fahrräder um. Auf diesen gelangten sie am Montagabend, vom vorhergehenden Unwetter durchnässt, ins Barbyer Elbe-Saale-Camp. Bei den Camp-Teilnehmern waren die fünf Radfahrer durch die Presse bereits bekannt und wurden mit großem Hallo begrüßt. „Ich habe mich gefreut, im Info-Zelt den Volksstimme-Artikel über uns zu lesen“, sagte Jan Brant später. Am Abend und im trockenen Zelt sitzend ergab sich dann Gelegenheit für Gespräche über ihre Erlebnisse.

Ihr Boot hatten die fünf Studenten (die unter anderem Maschinenbau, Informatik oder Fotografie studieren) in monatelanger Arbeit selbst gebaut, um für den Sommer eine gute Sache mit gemeinsamem Spaß zu verbinden. „Wir kennen uns aus unserer Heimatstadt, studieren aber im ganzen Land verteilt“, sagten sie, „in Prag, Pardubice und Usti nad Labem“. Danach befragt, ob sie denn sauer über die deutschen Behörden seien, sagte Jan Brant: „Anfangs waren wir schon verärgert über das Fahrverbot, aber inzwischen haben wir uns an unsere Fahrräder gewöhnt“. Und ist es nicht anstrengender auf dem Rad? Auch wenn die fünf nach den ersten 300 Kilometern schon etwas erschöpft aussahen, meinte Vojtech Zikmunda: „Auf unserem Boot hätten wir ja auch in die Pedalen treten müssen“.

Die tschechischen Studenten Jan Holan, Jan Brant,
Jakub Bureš, Vojtech Zikmunda und Jan Kará (von links
nach rechts) vor ihrer Abfahrt aus dem Elbe-Saale-Camp.
Ihre Sachen haben sie jetzt in einem Fahrradhänger verstaut. An dessen Heck hängt ein Rettungsring, auf dem – als Erinnerung an den Beginn ihrer Tour – „Petburg“ zu lesen ist. Das ist der Name ihres Bootes, zusammengesetzt aus PET, dem Material der Plastikflaschen, und ihrer Heimatstadt Nymburk. Ein paar PET-Flaschen haben die Studenten aber auch noch dabei, als Schmuck für ihre Räder. Und eine Tüte voller PET-Flaschen-Rohlinge haben sie im Gepäck. In diesen dünnen, etwa 10 Zentimeter langen und wasserdichten Plastikröhrchen wollen sie beim Pflanzen der mitgenommenen Linde Wünsche an die Zukunft ins Erdreich versenken. Diese Wünsche, so etwas wie Briefe in einer Flaschenpost, sammeln sie an den Stationen ihrer Tour. So sind nun auch die Wünsche der Teilnehmer des Elbe-Saale-Camp für den Erhalt der Naturlandschaft an Elbe und Saale auf dem Weg nach Hamburg.

Während Vojtech Zikmunda am Laptop Fotos
der Reise zeigt, werden Zettel mit Wünschen
geschrieben und in die PET-Rohlinge (die
grünen Röhrchen) gesteckt.

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